Midlehrcrisis

Das hier wird kein vollwertiger Beitrag. Nicht mal ein Rant oder etwas klassischer eine Glosse. Eher ein wunderbarer kleiner Cupcake, halb aus Wut, halb aus Fassungslosigkeit. Es ist einer dieser Momente in denen ich es nicht mag, Politik-Lehrer zu sein. Wer die anderen Beiträge gelesen hat oder mich kennt, kann sich meine Unzufriedenheit über die Entscheidung der Regierung denken. Spiegel Online fasst das ganz gut so zusammen:

Schulen sollen ab dem 4. Mai wieder schrittweise geöffnet werden. Der Schulbetrieb soll mit Abschlussklassen, obersten Klassen in Grundschulen sowie mit Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen, beginnen. Bis zum 29. April soll die Kultusministerkonferenz ein Konzept vorlegen, wie der Unterricht mit reduzierten Klassengrößen sowie Hygiene- und Schutzmaßnahmen wieder aufgenommen werden kann. Auch „Pausengeschehen“ und Schulbusbetrieb sollen dabei berücksichtigt werden.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronavirus-angela-merkel-und-die-laenderchefs-setzen-auf-vorsicht-a-ead67e0c-8dfd-4863-ab99-7f975bcd3f5b

Zu den Schutzmaßnahmen werden wahrscheinlich Gruppen von Unter 20 Leuten, Schule im Schichtbetrieb, 2m Abstand, getrennte Pausenzeiten usw. gehören als wären Schulen Isolierstationen. Das halte ich für unrealistisch, es ist aber gerade nicht das Problem.

Mein Problem ist, dass wir eine Deadline haben und noch keinen Weg dahin. Wir haben weder geprüft, wie sinnvoll die Maßnahmen sind oder wie viel Zeit sie zur Umsetzung brauchen. Wir haben noch nicht mal Maßnahmen definiert. Das tun erst die Kultusminister, irgendwann in den nächsten zwei Wochen. Jede Beratungszeit geht also von der Umsetzungszeit ab. Das ist weder ein gutes Vorgehen für eine Problemlösung noch für die Implementation von Lösungsstrategien. Das ist Bullshit. Noch mal: Es wurde kein Plan gemacht. Es wurde der Plan gemacht, einen Plan zu finden und das bis zum 04.05.2020.

Aus München ruft es relativ besonnen „Wir machen nix vor dem 11.05.“ Wahrscheinlich haben die erstmal eine Maß getrunken und etwas darüber nachgedacht. Aber dann schallt es aus Hannover:

Hold my beer (Pils), wir in Niedersachsen schaffen das bis zum 27.04.!

Großartig. Ich hätte mich fast geschämt, aber dann rief es aus Düsseldorf:

Hold my beer (Alt), wir in NRW schaffen das bis zum 20.04.!

Kann mir jemand erklären, wie die Kultusminister bis zum 04.05. einen Plan finden sollen, der aber schon zum 20.04. in Teilen umgesetzt wird? Kann mir jemand erklären, wie ich das meinen Schüler*innen erkläre? Ich versuche immer zu vermitteln, dass jede Entscheidung einen Sinn hat, auch wenn es nicht der Sinn ist, den man gerne hätte. Selbst wenn ich hinter der Schulöffnung durchaus Sinn sehe, kann ich dem Vorgehen nichts positives abgewinnen. Ich finde es gleichgültig, unüberlegt und feige. Es ist die einfache Lösung die Schulen ohne Konzept zu öffnen. Aber ist es die richtige? Wenn ja, hätten wir sie gar nicht erst schließen müssen. Neben den ganzen konzeptionellen Fragen sind noch so viele andere offen.

Wie soll Schichtbetrieb in LKs funktionieren?
Was sollen wir unterrichten?
Was ist mit den Lehrern über 60?
Was ist mit Eltern mit Vorerkrankungen?
Was ist mit Lehrern mit Vorerkrankungen?
Was ist mit Schülern mit Vorerkrankungen?
Was ist mit Schülern mit Angst oder Depressionen?

Sind es ein paar Wochen Unterricht wirklich wert, Menschenleben zu riskieren?

Und noch mal: Wie vermittele ich das den Schüler ohne den Glauben in den Staat zu verlieren?

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